WilliMature

Willi öffnete die Tür und trat in den Laden. Seine Schwägerin Herta stand noch immer hinter dem Tresen. Zwischen den Regalen stand eine Gruppe von Kindern. Mit kräftigen Schritten stapfte Willi zu Herta. Vor dem Tresen blieb er stehen und drehte sich um.
„Das sind die Kinder.“, flüsterte Herta.
„Das dachte ich mir.“, sagte Willi.
Sein Blick wanderte durch den Verkaufsraum, von einem Kind zu dem nächsten.
„Wie lange stehen die hier schon?“
„Seit einer halben Stunde.“
„Und die bewegen sich nicht?“
„Nein. Sag ich doch.“
„Eigenartig!“, brummte Willi und bewegte sich in Richtung der Kinder. Vor einem Jungen in einem blauen Anorak blieb er stehen. Er streckte die Hand aus und tippte dem Jungen auf die Stirn. Das Kind rührte sich nicht.
„Siehst du! Wie eingefroren.“
„Ich könnte dem mal auf den Fuß stampfen. Mal gucken, ob er sich dann bewegt.“
„Willi, lass das!“
„Na gut, damit warte ich noch. Erst mal stelle ich den Bengel vor die Tür.“
Willi beugte sich nach vorn und klemmte den Jungen unter den Arm. Wie eine Schaufensterpuppe trug er ihn durch den Laden und stellte nach draußen. Vor dem Geschäft massierte er sein Handgelenk und musterte den Jungen. Der Wind blies Herbstlaub vorbei.
„Verdammt jung sieht der Bengel aus. So was haben wir in dem Alter nicht gemacht. Dazu gehört schon gehörig Disziplin. Eine halbe Stunde lang rumstehen und nicht mit der Wimper zucken!“
„Was soll ich nun machen?“, jammerte Herta.
„Wir sollten die Zeitung rufen.“, brummte Willi.
„Die Zeitung?“
„Ja, oder das Fernsehen. Da sollte doch 'ne Mark rauszuholen sein.“
„Du willst damit Geld verdienen?“
„Warum denn nicht? Du bist doch hier auf der Arbeit.“
„Also ich weiß nicht.“, sagte Herta und schwieg.

The End

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